Bis 200 Euro reicht der vereinfachte Spendennachweis zur Vorlage beim Finanzamt (siehe Formulare)
Die Sonne scheint durch die Scheiben in das helle Treppenhaus, Schwarzweiß-Fotos zieren die Wände der behaglich wirkenden Räume. Eigentlich sieht es aus wie in einer Galerie. Doch dann kommt eine ältere Frau heran. Sie geht mühsam an den Bildern vorbei, ohne einen Blick darauf zu werfen – und verschwindet hinter einer Tür.
Das hier ist keine Kunstausstellung, sondern das Haus des Christophorus Hospiz Vereins München. Hierher kommen Menschen, die nur noch kurze Zeit zu leben haben. Nicht wenige von ihnen haben Krebs, manche eine schwere Nervenerkrankung oder Aids. Das letzte, vielleicht schwierigste Stück auf einem langen Weg soll ihnen möglichst leicht gemacht werden.
„Es gibt Situationen, die zu Hause einfach nicht mehr zu meistern sind“, sagt Angelika Westrich, die Geschäftsführerin des Hospiz Vereins. Nicht selten pflegen Angehörige einen Kranken seit Jahren. Verschlimmert sich dessen Zustand, so gelangen auch die Familienmitglieder an die Grenzen ihrer Kräfte. „In anderen Fällen schreitet eine Krankheit so schnell fort, dass die Familien mit all den Problemen, die auf sie einstürzen, völlig überfordert sind“, sagt Westrich. Hier hilft der Hospiz Verein mit seinen Experten, aber auch mit rund 150 ehrenamtlichen Helfern, die die Betroffenen in den schwierigen Situationen unterstützen.
1985 begann der Verein mit seiner Arbeit, er war damals die erste Initiative dieser Art in Deutschland. „Schwerstkranke Menschen wurden in Kliniken häufig separiert, wenn klar war, dass sie nicht mehr lange zu leben hatten“, sagt Westrich. „Eine Untersuchung hatte ergeben: Je kränker ein Patient war, desto weniger kümmerte sich der Arzt um ihn.“ Das wollte man ändern: Zunächst wurden zwei Hospizhelfer in Schottland, damals eines der Pionierländer in der Palliativmedizin, ausgebildet.
Anschließend besuchten diese im Auftrag des Vereins ihre Patienten zu Hause oder in Heimen und gaben ihnen Unterstützung in dieser schwierigen Lebensphase. „Die ambulante Hilfe entspricht dem Bedürfnis der meisten Menschen, so lange wie möglich zu Hause zu bleiben“, so Westrich. Die konzentrierten Erfahrungen dieser Fachleute wurden schon bald stark nachgefragt, auch so mancher Hausarzt holte sich Ratschläge. „Ein Hausarzt hat vielleicht einen Schwerstkranken im Vierteljahr“, sagt Westrich. „Wir dagegen betreuten damals zeitweise 30 betroffene Personen zur gleichen Zeit.“ Der Verein stellte weitere Pflegekräfte ein sowie Sozialpädagogen. „Wir stellten schnell fest, dass wir nicht nur die körperlichen, sondern auch die psychischen und psychosozialen Probleme im Blick behalten mussten“, erklärt Westrich. Mittlerweile bietet der Verein viele unterschiedliche ambulante Hilfen an, von der 24-Stunden-Rufbereitschaft über den palliativ-geriatrischen Dienst in Pflegeheimen bis hin zur Unterstützung trauernder Personen.
Von 2006 an konnte der Christophorus Hospiz Verein zusätzlich zur ambulanten Pflege erstmals auch ein stationäres Angebot bereitstellen: In der Effnerstraße wurde ein Hospiz mit 16 Betten und Rund-um-die-Uhr-Betreuung eröffnet. Es steht unheilbar kranken Menschen offen, deren Lebenserwartung nur noch wenige Monate beträgt. Anders als in einer Klinik oder einem Heim ist in diesem Haus nicht die Verlängerung des Lebens das Ziel, sondern die Verbesserung der Lebensqualität des Patienten. Wenn Schmerzen unerträglich werden, Atemnot den Patienten plagt oder seelische Qualen ihn nicht zur Ruhe kommen lassen, können Pfleger und Ärzte entsprechende Hilfe leisten: Es gibt Atem- und Kunsttherapie, Hilfe bei bürokratischen Problemen, psychische Betreuung und, wenn gewünscht, Seelsorge.
Um das Wissen rund um die Palliativmedizin weitergeben zu können, hat der Christophorus Hospiz Verein im Jahr 1999 eine Akademie gegründet, die seit 2004 zum Zentrum für Palliativmedizin am Klinikum Großhadern gehört. „Wir leisten uns gute Mitarbeiter“, sagt Angelika Westrich. 65 sind es derzeit, die fest angestellt sind. Im Hospiz sterben in manchen Monaten rund 30 Personen. „Wir müssen aufpassen, was das mit unseren Mitarbeitern macht.“ Die Zahl der Anfragen nach Hilfe ist beim Hospizverein zuletzt immer weiter gestiegen. Das zeigt, wie wichtig und unersetzlich dessen Arbeit ist.
(SZ vom 17.12.11)