Bis 200 Euro reicht der vereinfachte Spendennachweis zur Vorlage beim Finanzamt (siehe Formulare)
Das Ehepaar H. lebt mit einem autistischen Kind in einer Container-Unterkunft – ein zweites Zimmer würde die Lage entspannen. Die Eltern haben ihm seinen roten Ball gegeben, damit Milan abgelenkt ist.
Aber so recht will es nicht klappen. Denn da sind fremde Menschen im Zimmer, eine Reporterin, ein Fotograf. Und alles, was fremd ist, stört Milan, da wird er unruhig, ängstlich. Er kuschelt sich an seine Mutter, die auf dem Bett sitzt, aber das Kuscheln sieht eher aus wie ein Ringkampf. „Er hat kein Gefühl für seine Kraft“, sagt die Mutter. Und bald dürfte das ein Problem werden. Milan ist mit seinen knapp elf Jahren schon recht stark.
Vor drei Jahren sind die Eltern mit ihrem autistischen Sohn von Bulgarien nach Deutschland übergesiedelt. In Bulgarien, erzählt Georgiewa H., hätte ihr Sohn keine Chance gehabt, eine Förderung zu bekommen. Er besuchte zwar eine Schule, „aber das war nur, um ihn ruhigzustellen“, sagt die Mutter. Seit das Ehepaar in München lebt, kann Milan eine Förderschule besuchen. Auf dem Esstisch liegt eine Tafel mit Bildern: Nudeln, Pudding, ein Fernseher sind darauf abgebildet. Die Bilder sollen Milan helfen, sich im Leben zurechtzufinden. Er kann sich nicht ausdrücken, doch wenn er auf die Bilder zeigt, verstehen seine Eltern, was er möchte. Früher sei ihr Sohn viel aggressiver gewesen, sagt Georgiewa H.; heute schlägt er wenigstens nicht mehr zu. „Er ist ruhiger geworden.“
Das Leben in einem Zimmer einer Containerunterkunft im Norden der Stadt ist gleichwohl sehr schwierig für die Familie. Milan erträgt es nicht, allein im Zimmer zu sein. Also bleibt immer ein Elternteil bei ihm. Wenn er müde ist, legt sich die Mutter dazu. „Wir müssen das Licht ausmachen, wann er es will. Wir müssen schlafen, wann er es will.“ Und beim Essen darf kein Krümel auf dem Tisch liegen, auch das irritiert Milan.
Hätte die Familie zumindest zwei Zimmer, wäre die Situation entspannter. So aber können die H's nur hoffen auf eine eigene Wohnung mit eigenen Möbeln. Fördermaterial für Milan müssten sie anschaffen. Und einen Fotoapparat würden sie ihm gerne kaufen. „Milan liebt es, mit dem Handy zu fotografieren“, erzählt der Vater. Der Sohn kuschelt derweil noch immer mit der Mutter. Und beißt dabei in ihren Arm.
(SZ vom 15.12.11)